Nachts leuchtet der Stuttgarter Fernsehturm auf der Waldau. Sein Flutlicht soll von Flugzeugpiloten gesehen werden. Damit es am Abendhimmel nicht kracht. Deutschland hat viele Sehenswürdigkeiten: bedeutende Bauwerke, ungewöhnliche Landstriche und sagenumwobene Gewässer. In der Serie "Komm mit!" stellen wir diese Sehenswürdigkeiten vor. Den Anfang macht der Stuttgarter Fernsehturm. Kommst du mit?
Hinauf geht's ganz bequem in einem der zwei Aufzüge. In nur 36 Sekunden bringen sie Besucher wie dich zur unteren Aussichtsplattform. Sie liegt 150 Meter über dem Boden. Dass die Luft dort oben dünner ist, spürst du während der Fahrt am Druck auf den Ohren. Willst du noch knapp zweieinhalb Meter weiter hinauf, gelangst du über die Treppe zur oberen Aussichtsplattform. Dort weht oft ein ziemlicher Wind. Doch die Aussicht ist grandios. Sie geht rundum.
Gebaut wurde der Stuttgarter Fernsehturm - Vorbild für Türme in aller Welt - von dem Brückenbauer und Statikprofessor Fritz Leonhardt. Statiker werden auch Tragwerksplaner genannt. Sie sorgen dafür, dass ein Bauwerk sicher auf dem Boden steht - auch bei Erdbeben und Sturm.
Fritz Leonhardt hat sich über die Sicherheit des Fernsehturms viele Gedanken gemacht und sich ein technisch wegweisendes Fundament ausgedacht. Statt massiver Bodenplatten wählte er ein unterirdisches Ringfundament. In einem hohlen Kegel aus Beton steckt der schornsteinförmige Turmschaft wie ein gespitzter Bleistift. Gerät der Turm bei Unwetter ins Wanken, wird diese Bewegung an die Mitte des Betonbodens im Ringfundament abgegeben. Diese diagonale Führung der Kräfte wird auch bei Fachwerkhäusern benutzt.
Berühmt machte den Stuttgarter Fernsehturm auch seine elegante Gestalt. So verläuft der Schaft nicht gerade wie mit einem Lineal gezogen, sondern ist kaum merklich nach innen gekrümmt. Und am Ausmaß des Turmkorbs wurde lange gefeilt, bis das richtige Größenverhältnis gefunden wurde.
Eröffnet wurde der Fernsehturm am 5. Februar 1956 nach 20 Monaten Bauzeit. Bis heute gehört das zugängliche Gebäude dem Südwestrundfunk. Die rotweiße Antenne sendete früher Fernsehprogramme an die Dachantennen. Heute nicht mehr. Doch der Trum bleibt ein Wahrzeichen Stuttgarts.
Julia Lutzeyer